Eigenbetrieb der
Stadt Koblenz
Grünflächen- und
Bestattungswesen
Grünflächenwesen

Aktion Schotter Ade!

Blüten statt Steinwüste: Die Klimaschutzsbeauftragte der Stadt Koblenz, Dagmar Körner, und der Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen haben sich zusammengetan, um mehr Leben in die Vorgärten der Stadt zu bringen. Gemeinsam wird daran gearbeitet, sterile Steinwüsten in insekten- und klimafreundliche Blühflächen umzuwandeln. Positive Beispiele sollen zum Nachmachen anregen - damit Koblenz noch bunter, insektenfreundlicher und lebenswerter wird.

Der umgestaltete Garten

Nun muss es nur noch wachsen und blühen: Die Auszubildenden der Stadtgärtnerei räumten den Schotter zur Seite und pflanzten ein neues Staudenbeet.

Der Wettbewerb

Eine tolle Chance für Vorgartenbesitzer: Im Herbst 2020 wurden Eigenheimbesitzer gesucht, die ihren geschotterten Vorgarten gerne in ein Kleinbiotop umwandeln würden -  aber nicht wissen wie und hier auf Beratung und Unterstützung angewiesen sind. Das Modell-Projekt wurde mit den Auszubildenden des Eigenbetriebes durchgeführt und diente somit gleichzeitig zur Weiterbildung der Nachwuchsgärtner.

Schotter oder nicht? Das Bild zeigt die Unterschiede!

Schotter oder Blüten? Hausbesitzer haben die Wahl! Foto: Gärten des Grauens auf Facebook und Instagram

Die Gewinner

Familie Vocktmann gewinnt Umgestaltung

Mit gutem Beispiel voran: Der geschotterte Vorgarten der Familie Vocktmann sollte in einen Ort für Artenvielfalt und Biodiversität umgewandelt werden. Die Familie hatte bei der Aktion der Koblenzer Klimaschutzbeauftragten Dagmar Körner und des Eigenbetriebs Grünflächen- und Bestattungswesen mitgemacht und gewonnen. Ihren Schottergarten hatte die Familie  vier Jahre zuvor angelegt. „Wir haben im Haus viel renoviert und umgebaut und wollten deshalb einen pflegeleichten Garten“, berichtet Fabian Vocktmann. Doch richtig glücklich mit ihrer Entscheidung war die Familie mit zwei Kindern und Hund von Anfang an nicht. „Schottergärten sind zwar modern, aber wir hätten lieber Blüten anstatt des vielen Graus.“ Farbenfrohe Blüten werden die Vocktmanns künftig reichlich haben.

Der Schottergarten wird vermessen

Lea Rüdell und Leon Rommersbach, beide angehende Landschaftsgärtner bei der Stadt Koblenz, nehmen im Vorgarten von Fabian Vocktmann und seiner Familie Maß.

Die Planung

Stadtgärtner setzen Blühstauden

Unter anderem Duftnessel, Katzenminze, Blüten-Salbei und Fetthenne sollen in einem Vorgarten blühen, in dem es vorher hauptsächlich Steine gab. Dafür wurden der Schotter und die Findlinge zur Seite geräumt, das Flies entfernt und der Boden aufgearbeitet. Als Sträucher kommen ein kleinbleibender Sommerflieder als Schmetterlingsmagnet und eine winterblühende Zaubernuss auf die Fläche. Bei der Auswahl der Stauden berücksichtigten die Planer zum einen die sonnige Ausrichtung des Beetes nach Südwesten sowie die Blütezeit und die Blühdauer. Auch die Pflanzenwünsche der Familie Vocktmann ließen sich einarbeiten. Herausgekommen ist ein attraktives Beet mit vielen Blüten in Blau- und Gelbtönen, das vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein blüht.

Einige der Pflanzen dürften den Koblenzern bekannt vorkommen: Sie wachsen bereits in den Insektenbeeten auf dem Friedrich-Ebert-Ring. „Allerdings wird der Vorgarten weniger wild“, kündigt Werkleiter Andreas Drechsler an.

Vorstellung des Pflanzplans

Werkleiter Andreas Drechsler (rechts) stellte der Familie Vocktmann (links) gemeinsam mit Planerin Jana Fettweiß und Klimaschutzbeauftragter Dagmar Köner den Plan vor.

Der Pflanzplan

Gezeichneter Pflanzplan

Ein professioneller Plan, wie von der städtischen Landschaftsplanerin Jana Fettweiß, teilt die Stauden in fünf Kategorien. (HIER gibt es den Plan mit Legende) Die sogenannten Gerüstbildner sind relativ hohe Pflanzen mit möglichst auffälligen Blüten, die als Solitärpflanzen im hinteren und mittleren Teil des Beets dominieren. Auch kleinere Solitärgehölze dienen als Leitpflanzen. Ergänzt werden sie durch kleinere Begleitstauden in der Mitte. Bodendecker in Dreiergruppen sollen die Freiräume zwischen den größeren Stauden erobern. Sie bleiben niedrig und wachsen in die Breite. Hinzu kommen Streupflanzen, die recht frei im Beet verteilt werden und die Pflanzung mit der natürlichen Wirkung auflockern. Hierzu zählen auch Zwiebelpflanzen wie Frühjahrsblüher und Zier-Kugellauch, die ergänzt werden können, wenn sich das Beet entwickelt hat. Denn innerhalb einer Saison werden aus den Pflanzen in kleinen Töpfchen mit nur neun Zentimeter Durchmesser, prachtvolle Stauden. Vorhandener Schotter und Findlinge können größtenteils als Welle im Beet integriert werden und bieten Eidechsen ein Versteck. Auch eine Vogeltränke ist geplant. Eine Liste der verwendeten Pflanzen gibt es HIER

 

Die Umsetzung

Nicht einmal einen ganzen Arbeitstag benötigten die Auszubildenden der Stadtgärtnerei Koblenz für die insekten- und klimafreundliche Umgestaltung eines Vorgartens. Nachdem sie den Schotter zur Seite geräumt und das Flies entfernt hatten, wurde der Boden bearbeitet. Dabei stellte sich heraus, dass die Erde des alten Vorgartens nach vier Jahren Schotterabdeckung eine gute Qualität hatte. So lockerten die Auszubildenden lediglich den Boden mit einer Fräse auf, entfernten etwas Unkraut und größere Steine. Anschließend verteilten sie der Schotter neu am vorderen und hinteren Rand des Beetes als sanfte Welle. Vorhandene Findlinge wurden als Blickpunkt und Unterschlupfmöglichkeit für Eidechsen aufgeschichtet. Das restliche Schottermaterial wurde als zusätzlichen Spritzschutz vor der Hauswand verteilt.

Zwei Sträucher kamen als erste in den neuen Vorgarten. Anschließend verteilten die Auszubildenden entsprechend der Planung die gerüstbildenden, großen Stauden optisch ansprechend auf der Fläche. Dann folgten die Begleitstauden sowie die Streupflanzen und als letztes die niedrigen Bodendecker am Rand und in den Lücken. Nach einem Pflanzplan zu arbeiten, war eine gute Übung für die angehenden Landschaftsgärtner im ersten Lehrjahr. Nachdem alles gepflanzt war, wurde die Fläche noch gewässert. Die mehrjährigen Stauden können nun über Winter bereits neue Wurzeln bilden, um im kommenden Frühjahr passend zur Witterung mit einem kräftigen Austrieb in die neue Saison zu starten.

Auch wenn die Pflanzen aktuell noch sehr klein sind: Das Ergebnis kann sich schon jetzt sehen lassen. Die Prachtkerzen zeigen immer noch weiß-rosa Blüten und die Blütenknospen der Zaubernuss machen sich schon bereit, in ein paar Wochen aufzugehen. So lässt sich bereits erahnen, dass es in dem umgestalteten Vorgarten künftig von Februar bis Dezember Futter für die Insekten gibt. „Ich bin mit der Umsetzung sehr zufrieden“, sagte Klimaschutzbeauftrage Dagmar Körner angesichts des fertigen Vorgartens. Und auch Familie Vocktmann äußerte sich positiv: „Wir freuen uns sehr, dass die Auszubildenden so tatkräftig angepackt haben und den Vorgarten ganz toll umgestalten haben. Wir sind gespannt darauf den Vorgarten im Frühjahr - im wahrsten Sinne des Wortes - erblühen zu sehen!“

Der fertige Vorgarten

Zufrieden mit dem Ergebnis: Die beteiligten Auszubildenden des Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen begutachten mit Landschaftsplanerin Jana Fettweiß und der Umweltschutzbeauftragten Dagmar Körner den ehemaligen Schottergarten.

Die Pflege

Auch wenn es häufig behauptet wird - Schottergärten sind nicht pflegeleicht. Zwischen den Steinen sammelt sich Laub und anderes organisches Material, welches angewehten Wildkräutersamen mit der Zeit idealen Nährboden bietet. Das „Unkraut“ wird mit der Zeit immer mehr und muss mühevoll mit der Hand gezupft werden. Sind die Wurzeln erst einmal durch das Wurzelflies gewachsen, ist dem Wildwuchs kaum noch beizukommen. Hier sind dann Pflanzengifte oft die einzige Möglichkeit, dem wieder Herr zu werden. Ein fachgerecht geplantes Staudenbeet wächst hingegen in kurzer Zeit zu und unterdrückt unerwünschte Pflanzen. Zwei bis dreimal im Jahr Unkraut jäten reicht völlig aus. Und auch sonst bedarf eine Blütenpracht beispielsweise im Vergleich zu einem gepflegten Rasen sehr wenig Arbeit. Trockenheitsresistente Sorten kommen in der Regel mit dem Regenwasser aus und ein Rückschnitt im Frühjahr vor dem Austrieb reicht.

Blühender Salbei